Heider Marktfrieden - Geschichte

Frieden!

Wir schreiben das Jahr 1447. Einheimische und auswärtige Kaufleute atmen auf, denn ...

am 13. Februar wird auf dem Heider Marktplatz das erste Dithmarscher Landrecht verkündet. Paragraf 70 bezieht sich auf „market vrede“ – der Marktfrieden in Heide garantiert Sicherheit für alle Händler und Markttreibenden vor Plünderern, Räubern und anderen Übergriffen. Wer den Markt besucht, muss seine Waffen abgeben. Und wer den Marktfrieden stört, muss 60 Lübsch Strafe zahlen – was dem Jahreslohn eines Schreibers entspricht. Endlich! Endlich ist es möglich friedlich seinen Geschäften nachzugehen.

Ohne Marktfrieden hätte Dithmarschen kaum zu einem reichen Gemeinwesen aufblühen können.

In der Blütezeit der Bauernrepublik (1447–1559) treffen sich auf dem Heider Marktplatz jeden Sonnabend am Markttag die 48 Regenten des Landes als Richter und Ratgeber. Trotz des Verlustes der politischen Unabhängigkeit nach der „letzten Fehde“ im Jahre 1559 gelingt es ihnen, den Grundstock für ein hohes Maß an Eigenständigkeit zu legen, die Dithmarschen über 300 Jahre eine Ausnahmestellung sichert.

Dass die Bewohner dieser Küstenregion großen Wert auf Eigenständigkeit legten, zeigt sich schon im 13. Jahrhundert, als sich hier eine für das späte Mittelalter bemerkenswert freie „Staatsform“ entwickelt. Macht und Herrschaft liegen nicht bei einem landesherrlichen Fürsten, sondern werden durch die alten Kirchspiele, die wachsam auf ihre Rechte achten, und durch die landestypischen Geschlechterverbände, die frühen Siedlungsgemeinschaften, bestimmt.

Dem Adel lassen die freiheitsliebenden Bauern in ihrem winzigen, jedoch weitgehend unabhängigen Staatsgebilde keine Chance. Deshalb wird der Besucher in Dithmarschen auch vergeblich nach Schlössern und Gutshöfen Ausschau halten. Die Eigenständigkeit der in Dithmarschen so mächtigen Kirchspiele in Marsch und Geest führt jedoch zu „außenpolitischen“ Zwistigkeiten und Konflikten von großer Brisanz. So geschieht es zum Beispiel Anfang des 15. Jahrhunderts, als die „Südstrander“, die Elbanwohner, schlichtweg Piraterie und damit eine hamburgfeindliche „Politik“ betreiben.

Die Vertreter der nördlich gelegenen Kirchspiele treten daraufhin im Jahre 1434 zur Beratung „uppe de Heyde“, an einem neutralen Ort zusammen. Der bis dahin unbedeutende Flecken erfährt plötzlich einen rasanten Aufstieg. Begünstigt durch seine zentrale Lage im Lande und gute Verkehrsverbindungen zu den Hansestädten entwickelt er sich zu einem Versammlungsplatz und Handelsort. Binnen kurzem wird Heide Zentrum der Bauernrepublik.

Die Vision des Peter Swyn

Peter Swyn, Jahrgang 1480, Geburtsort Lehe, aus dem Geschlecht der Wurthmannen, in Rostock ab 1496 studiert und 1500 in der Schlacht von Hemmingstedt ausgezeichnet, aufgenommen in den Kreis der 48 Regenten anno 1512, vor 502 Jahren. Seine Visionen von einem reformierten Dithmarschen, einem Dithmarschen ohne Geschlechterfehden und Blutrache, werden bis auf den heutigen Tag bewundert. Am 14. August 1537 fällt der 48er am Goosweg in Lehe durch die Hand bezahlter Attentäter.

Als der Augsburger Reichstag im Jahr der Schlacht bei Hemmingstedt tagt, steht die Durchführung der Reichsexekution gegen Landfriedensbrecher auf der Agenda. Bis zum Jahr 1512 werden insgesamt zehn Kreise als Mittel des sogenannten Reichsregiments errichtet. Nicht eingebunden war - unter anderem - die Bauernrepublik Dithmarschen.

1512 liegt der Frieden im Land Dithmarschen zwischen Eider und Elbe in der Hand von Peter Swyn und seinen 47 Mitregenten. Der Bauer ist der Herr im Haus. Seine gewählten Vertreter sind oberste Richter und Außenpolitiker.
Gelegentlich, so auch 1512, gibt es bei der Außenpolitik Dissonanzen. Hamburg und Dithmarschen führen einen Kleinkrieg. Noch im gleichen Jahr vermitteln die Lübecker als Freunde beider Parteien. Der Friede wird wieder hergestellt.

Was die Kurfürsten im Reichsregiment festschreiben, verankern die Achtundvierziger im Dithmarscher Landrecht. In einer Zeit der Gegensätze und Umbrüche werden Frauen unter Schutz gestellt und Regenten. Auch für die Zeit der Ernte gilt Friedenspflicht. Der erste und umfassendste Sonderfriede, der dem legendären Moderator Peter Swyn und seinen Mitstreitern am Herzen liegt, ist der Marktfrieden.

Daran hat sich seit einem halben Jahrtausend nichts geändert. Peter Swyns Regentschaft jährte sich 2012 zum 500. Mal. Der berühmte Dithmarscher ist geistiger Mitvater des großen Heider Festes. Erweisen wir ihm bei einem kräftigen Schluck Met aus dem Kuhhorn die Reverenz, die er verdient.

< ZURÜCK